In wenigen Wochen ist es soweit: Oculus veröffentlicht neue Virtual Reality Headsets. Eine dieser neuen VR-Brillen ist das Standalone-Gerät Oculus Quest, das ohne PC, Kabel und externe Sensoren auskommt. Dank einer kinderleichten Bedienung soll man dann damit überall und zu jeder Zeit in die virtuelle Realität abtauchen können - einfach aufsetzen und loslegen. Hält der "VR-Gameboy" was er verspricht oder werden neue Schwächen aufgezeigt?

Vor nicht allzu langer Zeit war PC Games Hardware in London und hat dort in einem Hands-On das neue Portfolio von Oculus anschauen und ausprobieren können. Die beiden neuen Brillen, die jeweils für 449 Euro in den Handel kommen werden, sind dabei auf ein unterschiedliches Klientel gemünzt. So soll die Oculus Rift S PC-Nutzer ansprechen, die mit einem leistungsstarken Rechner das beste Erlebnis aus der virtuellen Realität herausholen wollen und die es dann auch nicht stört, dass weiterhin eine kabelgebundene Verbindung zu einem Computer bestehen muss. Die Oculus Quest zielt dagegen einerseits auf den neu entstehenden "Casual-VR-Markt" ab, soll aber gleichzeitig auch etwas für VR-Begeisterte sein, die vielleicht bisher nur mit einer Playstation VR Kontakt hatten oder nicht über die erforderliche Rechenleistung in den heimischen vier Wänden verfügen.

ghapi_init({"sc":"#377bae","tr":"pcgameshardware-1","cl":"#1F95D8","bg":"#F8DD03","ft":"Arial,Helvetica,sans-serif","fs":"12px","scl":"#fff"}) Die mobile VR-Brille kommt in einem dezenten und relativ kleinen Karton, ungefähr halb so groß wie die Verpackung der Rift von 2016. Das ist natürlich irgendwo auch logisch, denn Hersteller und Nutzer können bei der Oculus Quest auf die externen Sensoren verzichten - das Inside-Out-Tracking an der Brille übernimmt deren Aufgabe. Stattdessen liegt ein Abstandshalter für Brillenträger bei, ein drei Meter langes USB-C-Kabel, inklusive Ladegerät, und natürlich die beiden neu designten Touch-Controller mit jeweils einer Batterie. Damit man aber direkt nach dem Auspacken der Gerätschaft mit der virtuellen Realität loslegen kann, muss noch eine Applikation für Android oder iOS heruntergeladen werden. Keine Sorge, Sie benötigen die App lediglich für die allererste Einrichtung, in der Sie die Oculus Quest mit dem WLAN verbinden und einen Account anlegen. Ihr Smartphone sollte deshalb mindestens über Android 5.0 ("Lollipop" von 2014) oder iOS in der Versionsnummer 10.0 (seit 2016) verfügen, dann steht dem uneingeschränkten Abtauchen in die virtuelle Realität nichts mehr im Wege. Mit der App auf Ihrem Telefon haben Sie aber auch im späteren Verlauf die Möglichkeit, Spiele herunterzuladen oder Inhalte von der Brille auf das Telefon zu streamen. Oculus Quest im Test (14) Quelle: PC Games Hardware Aufgebaut ist der Store für die Standalone-Brille recht ähnlich zur bereits von der Oculus Rift bekannten Verkaufsplattform, lediglich das Angebot ist bei Release der neuen Brille mit 50 Titeln recht überschaubar. Dennoch finden Sie schon zu Release bekannte Titel wie Beat Saber, Robo Recall oder Dead & Buried. Ein Grund, dass die Brille nicht einfach auf den Katalog der Rift zurückgreifen kann, liegt an der verbauten Hardware. Denn dadurch, dass in der Quest ein Qualcomm Snapdragon 835 werkelt, also ein auf der ARM-Architektur basierender System-on-a-Chip, müssen Videospiele erst für das VR-Headset portiert werden. Zwar ist der Snapdragon 835 der erste von Windows 10 unterstütze RISC-Prozessor (Reduced Instruction Set Computer), bisher laufen native x86-Anwendungen auf ARM-Chips aber immer in einem Emulator.

Für den optimalen Gebrauch muss also eine Anpassung seitens der Entwickler erfolgen. Das äußert sich dann meist in einem grafischen Downgrade, beispielsweise über eine Reduzierung der visuellen Effekte, denn der eingesetzte Chip kann nicht ohne Weiteres das stereoskopische Bild auf den beiden OLED-Bildschirmen mit einer Auflösung von 1.600 × 1.440 Bildpunkten pro Auge und einer Bildwiederholfrequenz von 72 Hertz stemmen. Vom einstigen Zwang, mindestens 90 Bilder pro Sekunde anzeigen zu müssen, hat man sich aber verabschiedet, wahrscheinlich wegen der erhöhten Pixelanzahl und der mobilen Hardware. In der kommenden Oculus Rift S beträgt die Bildwiederholfrequenz beispielsweise auch keine 90 Hz mehr, sondern das PC-Modell kommt mit 80 Hz aus.

Nachdem Sie die Oculus Quest zum ersten Mal angeworfen und über das Smartphone eingerichtet haben, befinden Sie sich in einer gemütlichen Lodge mit Panoramablick. Dort können Sie dann über die Oculus-Taste, die sich auf dem rechten Controller befindet, auf den Store, die Einstellungen und dergleichen zugreifen.

Bevor Sie aber richtig loslegen können, müssen Sie aus Sicherheitsgründen zunächst das Spielfeld in Ihrem Zuhause definieren. Dadurch werden Sie vom Guardian gewarnt, sollten Sie beispielsweise in die Nähe der Demarkationslinie zwischen Spielbereich und Wand kommen. Musste man bei der Oculus Rift von 2016 noch die nutzbare Fläche mit einem gedrückten Controller ablaufen, kann man jetzt den Bereich mit einem virtuellen Strahl vorgeben. Dazu muss man noch nicht mal das VR-Headset absetzen, da der sogenannte Passthrough+-Modus einen Blick in die reale Welt erlaubt. Über die vier am Visor befindlichen Kameras wird die umliegende Welt in krisseligem Schwarz-Weiß dargestellt, die eigenen Körperproportionen erscheinen da schon manchmal etwas verschoben. Es reicht aber vollkommen aus, um die unmittelbare Umgebung gut erkennen und das Guardian-System so schlussendlich einfach einrichten zu können. Hinzu kommt nun auch, dass der Nutzer bereits kurz vor dem Ende des Spielfeldes gewarnt wird. Überschreitet man die gesetzte Linie mit dem Headset, verschwindet die virtuelle Umgebung und man schaut in die reale Welt; kommt ein Controller in die Nähe, wird dagegen die Begrenzung durch ein Gitternetz angezeigt. Oculus Quest im Test (4) Quelle: PC Games Hardware

Die Kameras am Headset sind auch für das Erfassen der Controller zuständig, externe Sensoren werden beim Inside-Out-Tracking, wie eingangs beschrieben, nicht mehr benötigt. Das funktioniert solange einwandfrei und ohne Probleme, sofern der Controller im Blickfeld ist. Das dies aber in bestimmten Situationen nicht der Fall ist, sollte logisch sein. So muss man sich beispielsweise bei Beat Saber auf die von vorne kommenden Blöcke konzentrieren, gleichzeitig aber links und rechts neben sich mit den Controllern hantieren. Dadurch können die Hände respektive Controller durchaus aus dem Visus verschwinden, was sich im Test durch ein Nicht-Treffen einiger Blöcke negativ auf die Punktezahl ausgewirkt hat.

Hat man beispielsweise die Hände auf Hüfthöhe oder hinter dem Rücken, erscheint manchmal ein virtueller Controller neben dem eigenen Kopf, der erst wieder an seinen Platz wandert, wenn man mit der Hand in das Blickfeld der Brille kommt. Außerdem vollführte der Controller in manchen Anwendungen ruckelige Bewegungen, als wäre die Positions-Abfragung zu gering eingestellt. Vor allem bei Beat Saber war dieser Umstand äußerst ärgerlich, dennoch muss man fairerweise sagen, dass dies selten vorkam und das Inside-Out-Tracking um Längen besser funktioiniert als noch bei den Windows-Mixed-Reality-Headsets aus dem letzten Jahr. Bei der Rift von 2016 mit externen Sensoren mag man durch das andere Tracking-Modell diese Probleme nicht haben, die Verbindung zum Rechner erweist sich aber als ähnlich störend.

Der Controller wurde wegen der neuen Tracking-Methode auch umgestaltet. War der Ring bei der Oculus Rift von 2016 noch so angeordnet, dass es aussah, als wären die Handknöchel durch den Controller geschützt, ist der neue Tracking-Ring einfach nach oben gestülpt und zeigt auf den Nutzer. Außerdem ist die Fläche, auf der die Buttons sitzen, beim neuen Touch Controller kleiner als beim Legacy-Gegenstück. Buttons, Trigger und Tasten sind dagegen identisch, lediglich der Griff, der in der Handfläche versinkt, hat eine Oberflächenstruktur bekommen - ideal für schwitzige Hände.

Das bewegungsintensive Spiel Beat Saber offenbarte leider eine Schwachstelle der neuen Eingabegeräte: das Batteriefach. Zwar sind auch hier die Deckel zusätzlich über Magnete gesichert, aber dadurch, dass das Fach nun nicht mehr seitlich angeordnet ist, sondern direkt am Handballen sitzt, kann dieser bei hektischen Bewegungen den Verschluss öffnen. Im bereits erwähnten Spiel Beat Saber ist dies über den Spielverlauf leider öfters passiert. Oculus Quest im Test: Alter und neuer Controller Quelle: PC Games Hardware Betrachtet man die Displays, fällt sofort die höhere Auflösung pro Auge auf, die so den Fliegengittereffekt maßgeblich reduziert. Schön ist auch zu sehen, dass die beiden OLED-Displays im Visor wieder durch einen mechanischen Regler justierbar sind, sodass der Großteil der Bevölkerung den Augenabstand entsprechend des eigenen Phänotyps einstellen kann. Hinzu kommen die deutlich verbesserten Linsen, die nun viel weniger Licht streuen, als es noch in der 2016er Version der Fall war. Beim Sound wurden aber deutliche Abstriche gemacht, denn nun sind keine Hörmuscheln mehr vorhanden, sondern nur noch kleine Lautsprecher auf Schläfenhöhe. Dadurch wirkt der Sound blechern, viel zu weit weg und ohne Körper, sodass unheimlich viel Immersion verloren geht. Abhilfe schafft hier einer der beiden Klinkenanschlüsse, der jeweils an der linken oder rechten Seite des Displays zu finden ist.

Oculus VR und Facebook haben mit der Oculus Quest ein wirklich gutes und mobiles VR-Headset konstruiert, das nicht nur Casual-Gamer ansprechen soll, sondern auch Core-Spieler. Die einfache Handhabung mit der App und der Brille selber machen das Headset ideal für die schnelle Runde zwischendurch: Einfach anmachen, aufsetzen, Spiel wählen und loslegen. Dank des Passthrough+-Modus', der einen Blick in die reale Welt erlaubt, ist das Guardian-Schutzsystem in Nullkommanix eingerichtet und an die entsprechenden Umgebungsbeschaffung angepasst. Ohne Kabel und externe Sensoren hat man mehr Bewegungsfreiheit und zwei höher auflösende OLED-Displays im Visor reduzieren den Fliegengittereffekt maßgeblich und die neuen Linsen lassen das Bild besser erscheinen. Dagegen ist die Kopfhalterung nicht besser geworden, teilweise war der Druck auf die Gesichtspartie sogar größer als beim älteren Modell von 2016. Oculus Quest im Test (3) Quelle: PC Games Hardware

3 Way Valve

Leider mussten die Ingenieure Kompromisse eingehen, um eine so eine mobile VR-Brille mit Inside-Out-Tracking zu realisieren. Die vier Kameras schaffen es beispielsweise nicht immer, die Controller zu erfassen, sodass eine Bewegungseingabe schon mal untergehen kann. Im Verlauf über mehrere Spiele ist dies aber nur vereinzelt aufgetreten, einen wirklichen Nachteil kann man es deshalb nicht nennen. Ein durch die geringere Bildwiederholfrequenz hervorgerufenes Unwohlsein konnte während der Testphase nicht beobachtet werden, im Großen und Ganzen fühlte sich die Handhabung nahezu identisch zur Oculus Rift von 2016 an. Auch die Spiele ließen sich wie mit dem PC-Modell nutzen: Ruckler oder Freezes gab es nicht. Das spricht natürlich für die Optimierung auf das ARM-System, das kann aber im Zweifelsfall durch die entstehenden Mehrkosten nach hinten losgehen. Hier muss Oculus weiterhin den Ball hochhalten und kontinuierlich Ports aus der Rift-Welt für Quest verfügbar machen. Am stärksten ist der Rotstift aber am Sound zu sehen, denn hier gibt es keine halbwegs akzeptablen Hörmuscheln mehr, sondern nur noch Lautsprecherschlitze, die auf ungefährer Höhe der Ohren plärren. Für eine mobile Gaming-Konsole mag das ausreichen, für die perfekte Immersion in eine virtuelle Welt ist das viel zu wenig. Hier sollten Sie unbedingt auf separate Kopfhörer setzen.

Die noch überschaubare Bibliothek soll zu Release auf 50 Titel anwachsen, die man teilweise schon aus dem Oculus Store von der Rift kennt. Die Portierungen für die mobile Hardware spielen sich nahezu identisch, müssen aber an grafischer Finesse einbüßen und verzichten auf bestimmte Effekte oder Texturdetails. Die getesteten Titel waren jetzt per se nicht hässlich, einen Unterschied zu Rift-Versionen sah man aber. Qualitativ ist die Quest wahrscheinlich vergleichbar mit der PSVR, auch wenn Sonys Konsole über einige sehr ansehnliche Titel verfügt.

Oculus VR ist mit der Quest ein tolles Stück Hardware gelungen, das zwar mit einigen Kompromissen daherkommt, aber genau das bietet, was es verspricht: eine mobile, allzeit bereite VR-Konsole. Sollte der Preis noch von 449 Euro auf 399 oder 349 Euro sinken, gibt es wirklich keinen Grund mehr, der dagegen spricht - Übelkeit ausgenommen.

Ball Valve, Check Valve, Flange Valve, 150lbs Threaded Fittings - Co-win,https://www.cowinvalves.com/